Warum Zahlungsbetrug ein Problem für jedes Unternehmen ist
Stellen Sie sich vor, Ihr Kreditorenteam erhält eine E-Mail. Sie sieht exakt aus wie eine Nachricht eines langjährigen Lieferanten: dasselbe Logo, dieselbe Grußformel, derselbe vertraute Ton. In der Nachricht steht, dass sich die Bankverbindung des Lieferanten geändert habe, und Sie werden gebeten, die nächste Zahlung auf ein neues Konto zu überweisen. Die Zahlung wird ausgeführt. Eine Woche später ruft der echte Lieferant an und fragt, warum die Rechnung überfällig ist. Da ist das Geld bereits weg.
Das ist kein hypothetisches Szenario. Es passiert Unternehmen auf der ganzen Welt jeden Tag.
Zahlungsbetrug betrifft nicht nur Banken oder Investmentgesellschaften. Er betrifft jedes Unternehmen, das Lieferanten bezahlt, Rechnungen begleicht oder Zahlungen von Kunden erhält. Und eines der praktischsten verfügbaren Mittel dagegen ist der LEI-Code – etwas, von dem die meisten gewöhnlichen Unternehmen noch nie gehört haben.
Das Ausmaß von Zahlungsbetrug ist erschreckend
Zahlungsbetrug ist kein Randproblem. Laut der Association for Financial Professionals erlebten 76 % der Organisationen im Jahr 2025 versuchten oder tatsächlichen Zahlungsbetrug. Das bedeutet: Zwei von drei Unternehmen werden in einem beliebigen Jahr mit Betrugsversuchen konfrontiert.
Die Angriffe richten sich gezielt gegen die Personen, die alltägliche Rechnungen und Zahlungen bearbeiten: Buchhalter, Finanzverantwortliche und Mitarbeitende im Einkauf. Laut dem Internet Crime Report 2024 des FBI verursachte Business Email Compromise allein in den USA im Jahr 2024 Verluste in Höhe von 2,77 Milliarden Dollar – bei 21.442 gemeldeten Vorfällen. Und das sind nur die Fälle, die gemeldet wurden.
Wie Zahlungsbetrug funktioniert: Drei gängige Maschen
Allen Formen von Zahlungsbetrug liegt eine gemeinsame Voraussetzung zugrunde: Der Betrüger hat Erfolg, weil das Opfer die Identität des Geschäftspartners nicht schnell verifizieren kann.
Rechnungsbetrug und Lieferanten-Imitation
Der Betrüger identifiziert einen regelmäßigen Lieferanten in Ihrem Netzwerk und sendet eine Rechnung, die einer echten zum Verwechseln ähnlich sieht. Nur die Bankdaten sind anders. In vielen Fällen ist kein Systemzugriff erforderlich. Öffentlich verfügbare Informationen, eine ähnliche E-Mail-Adresse und etwas Geduld reichen aus. Besonders kleinere Unternehmen sind gefährdet, weil sie oft weniger formale Verifizierungsschritte etabliert haben.
Business Email Compromise
Business Email Compromise (BEC) ist ausgefeilter und schädlicher. Der Betrüger verschafft sich Zugriff auf das E-Mail-Konto Ihres Lieferanten, überwacht die Korrespondenz über Wochen und greift genau im richtigen Moment ein – kurz bevor eine große Rechnung fällig wird. Es werden nur die Zahlungsdaten geändert, und das Geld landet auf dem falschen Konto.
Schwer zu erkennen ist das deshalb, weil die Nachricht von einer echten E-Mail-Adresse kommt, einem realen Gesprächsverlauf folgt und keine technischen Anzeichen von Betrug enthält. Standardmäßige E-Mail-Sicherheitsfilter stoppen das nicht.
Anlage eines Fake-Lieferanten
Der Betrüger gründet ein fiktives Unternehmen, lässt es registrieren, baut eine Website auf und reicht ein Angebot ein. Das Unternehmen unterschreibt einen Vertrag, zahlt eine Anzahlung – und der Lieferant verschwindet. Diese Masche zielt häufig auf größere Organisationen mit komplexeren Beschaffungsprozessen ab.
In allen drei Fällen konnte das Opfer nicht zuverlässig verifizieren, mit wem es tatsächlich zu tun hatte. Ein Firmenname ist kein eindeutiger Identifikator – und Betrüger nutzen diese Lücke gezielt aus.
Warum Identitätsverifizierung so schwierig ist
Registrierungsnummern sind rechtsraumspezifisch. Eine estnische Handelsregisternummer bedeutet einer deutschen Bank oder einem Partner in Singapur nichts. Jedes Land verwendet sein eigenes Format, sein eigenes Register und seine eigene Sprache. Im grenzüberschreitenden Geschäft bedeutet das: Die Identität eines Geschäftspartners zu verifizieren erfordert langsame, manuelle Arbeit.
Firmennamen sind nicht eindeutig. Viele Rechtsräume erlauben ähnliche oder sogar identische Namen in verschiedenen Ländern. Betrüger registrieren Unternehmen, deren Namen bekannten Organisationen sehr ähnlich sind, und verlassen sich darauf, dass vielbeschäftigte Finanzteams den Unterschied nicht bemerken.
Was der LEI-Code tatsächlich zeigt
Der LEI-Code (Legal Entity Identifier) ist ein eindeutiger 20-stelliger Identifikator, den jede juristische Person weltweit erhalten kann. GLEIF, die Global Legal Entity Identifier Foundation, führt eine öffentliche Datenbank mit verifizierten und aktuellen Informationen zu jeder registrierten Einheit.
Eine LEI-Abfrage liefert Folgendes:
Level-1-Daten („wer ist wer“): rechtlicher Name, eingetragene Adresse, Land und Rechtsraum, Handelsregisternummer und Register, Entitätstyp, LEI-Status (Active oder Lapsed) sowie eine Änderungshistorie des Datensatzes.
Level-2-Daten („wem gehört wer“): direkte Muttergesellschaft und oberste Muttergesellschaft innerhalb einer Konzernstruktur.
Was eine LEI-Abfrage nicht zeigt: Bankkontodaten, Kontaktnummern oder natürliche Personen. Das zu verstehen ist wichtig, um das Tool korrekt zu nutzen.
Die LEI-Datenbank ist kostenlos, offen und erfordert keine Registrierung. Sie ist verfügbar unter GLEIF LEI Search.
Wie der LEI in der Praxis gegen Betrug hilft
Manuelle Verifizierung in drei Schritten
Schritt 1 — Fordern Sie den LEI-Code von jedem neuen Lieferanten an. Fügen Sie Ihrem Lieferanten-Onboarding einen einzigen Punkt hinzu: LEI-Code. Das ist ein Standardbestandteil der Due Diligence von Geschäftspartnern, den immer mehr Unternehmen inzwischen routinemäßig anwenden.
Schritt 2 — Verifizieren Sie den Code in der GLEIF-Datenbank. Geben Sie den LEI-Code bei GLEIF LEI Search ein oder nutzen Sie das LEI-Suchtool auf unserer Website. Sie sehen sofort den rechtlichen Namen, die eingetragene Adresse und die Handelsregisternummer. Vergleichen Sie diese Angaben mit denen auf der Rechnung oder im Vertrag. Wenn alles übereinstimmt, ist die Identität bestätigt. Wenn nicht, ist das ein klares Warnsignal.
Achten Sie auch auf den LEI-Status. Active bedeutet, dass die Daten aktuell und verifiziert sind. Lapsed bedeutet, dass die Einheit ihren LEI nicht verlängert hat und die Datenqualität unsicher ist. Ein abgelaufener LEI ist an sich ein Risikosignal, das nicht übersehen werden sollte.
Schritt 3 — Behandeln Sie jede Änderung von Bankdaten als zweistufigen Prozess. Der LEI enthält keine Bankkontoinformationen und kann in dieser Situation daher eine manuelle Prüfung nicht vollständig ersetzen. Er hilft dennoch. Wenn Sie eine Anfrage zur Änderung von Zahlungsdaten erhalten, verifizieren Sie zunächst über den LEI, dass der Absender tatsächlich der ist, für den er sich ausgibt. Rufen Sie anschließend den Lieferanten direkt an – über eine Kontaktnummer, die bereits in Ihren Unterlagen vorhanden ist, nicht über eine Nummer aus der neuen Nachricht. Diese beiden Schritte zusammen decken die häufigsten Szenarien von Rechnungsbetrug ab.
Automatisierte Verifizierung für größere Organisationen
Für größere Organisationen, die Hunderte von Lieferanten verwalten und hohe Zahlungsvolumina abwickeln, sind manuelle Prüfungen zu langsam. Hier wird der LEI besonders wertvoll, weil er ein strukturiertes, maschinenlesbares Datenformat ist.
GLEIF stellt eine öffentliche API bereit, mit der LEI-Daten direkt in Unternehmenssoftware integriert werden können. Eine Kreditorenplattform oder ein Lieferantenmanagementsystem kann die GLEIF-Datenbank automatisch für jeden neuen Geschäftspartner abfragen, die Ergebnisse mit bestehenden Datensätzen vergleichen und Abweichungen zur menschlichen Prüfung markieren. Die Identitätsverifizierung läuft im Hintergrund, ohne dass jemand manuell suchen muss.
Der LEI im regulatorischen Rahmen
Der LEI-Code ist nicht nur ein freiwilliges Instrument. Regulierungsbehörden weltweit beginnen, ihn direkt mit Zahlungssicherheit und Betrugsprävention zu verknüpfen.
Die EU-Verordnung über Echtzeitzahlungen verpflichtet seit Oktober 2025 alle Zahlungsdienstleister im Euroraum, vor der Verarbeitung von Echtzeitüberweisungen den Namen des Zahlungsempfängers zu verifizieren. Die Verordnung erkennt den LEI als Instrument an, um den Abgleich einer IBAN mit dem Namen des Kontoinhabers zu automatisieren. Das reduziert direkt das Risiko von Authorized Push Payment Fraud, bei dem Gelder auf ein vom Betrüger kontrolliertes Konto überwiesen werden. Weitere Details finden Sie in unserem Artikel über LEI und Verification of Payee.
Die Financial Action Task Force (FATF) hat ihren internationalen Standard zur Zahlungstransparenz, Empfehlung 16, im Juni 2025 aktualisiert. Nach dem überarbeiteten Standard müssen grenzüberschreitende Zahlungen über 1.000 Euro oder Dollar verifizierte Informationen sowohl zum Auftraggeber als auch zum Begünstigten enthalten. Handelt es sich bei der Partei um eine juristische Person, ist der LEI einer der akzeptierten Identifikatoren. Der Standard tritt 2030 vollständig in Kraft.
Was Ihr Unternehmen heute tun kann
Beantragen Sie einen LEI-Code für Ihr Unternehmen. Mit einem LEI können Sie einen verifizierten Identifikator mit Partnern teilen, ihn auf Rechnungen und Verträgen angeben und als Nachweis nutzen, dass Ihr Unternehmen tatsächlich das ist, wofür es sich ausgibt. Das ist besonders bei grenzüberschreitenden Transaktionen wichtig, wenn Ihr Geschäftspartner Ihr lokales Unternehmensregister nicht kennt. Die Registrierung dauert nur wenige Minuten und der LEI wird nahezu sofort ausgestellt: Registrieren Sie Ihren LEI-Code.
Verlangen Sie einen LEI von Ihren Lieferanten. Fügen Sie Ihrem Lieferanten-Onboarding einen zusätzlichen Punkt hinzu. Die Verifizierung ist kostenlos und dauert Sekunden. Stimmen die Daten überein, haben Sie eine Bestätigung. Stimmen sie nicht überein, haben Sie Anlass, vor einer Zahlung nachzufragen.
Führen Sie eine Regel für Änderungen von Bankdaten ein. Jede Anfrage zur Änderung von Zahlungsdaten sollte zwei Bestätigungen erfordern: eine LEI-Prüfung und einen Anruf bei einer Kontaktnummer, die bereits in Ihren Unterlagen hinterlegt ist. Diese eine Regel hätte die Mehrheit der klassischen Fälle von Rechnungsbetrug verhindert.
Geben Sie Ihren LEI auf Ihren Rechnungen an. Das hilft Ihren Partnern, Ihre Identität zu verifizieren, und signalisiert, dass Ihr Unternehmen Transparenz ernst nimmt.
Zusammenfassung
Die meisten Betrugsfälle bei Zahlungen gelingen, weil die Identität von Geschäftspartnern nicht schnell und zuverlässig verifiziert werden kann. Der LEI-Code adressiert eine konkrete und sehr häufige Schwachstelle: Ein weltweit eindeutiger, öffentlich verifizierbarer Identifikator macht Betrug deutlich schwerer. Kleinere Unternehmen können die Prüfung in Sekunden manuell durchführen. Größere Organisationen können den Prozess vollständig automatisieren.
Wenn Ihr Unternehmen noch keinen LEI-Code hat, ist die Beantragung der einfachste Schritt, den Sie heute unternehmen können, um die Sicherheit Ihrer Zahlungen zu verbessern: Registrieren Sie Ihren LEI-Code.
Wenn Ihr LEI-Code verlängert werden muss, können Sie das hier tun: Verlängern Sie Ihren LEI-Code.